Anglo Nubier-Ziegen und wie ich dazu kam, auf diese Rasse umzusteigen



Die nubischen Ziegen sind aus Kreuzungen zwischen englischen, afrikanischen und indischen Rassen entstanden und bestechen optisch durch das oftmals bunte Fell. Auch die langen Schlappohren und eine Ramsnase sind eher ungewöhnlich bei Ziegen.
Die AN haben zudem eine besonders leckere Milch mit hohem Eiweiß- und Fettanteil.

Fritz


Ich bin 2011 erstmals so richtig auf diese Rasse gestoßen, als ich aus einer Not heraus einen rassefremden Deckbock kaufen musste. „Fritz“ hat mich schon auf der Fahrt nach Hause schwer beeindruckt und zwar, weil er trotz Brunstzeit keinerlei Bockgeruch in meinem Auto verströmte. Auch seinem Charme war ich schnell verfallen. Da er aber auch ein hervorragender Springer war, endete sein Werdegang schnell in der Tiefkühltruhe. Er hat mir eine Tochter hinterlassen: Zieglinde.


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Zieglinde

Ich hatte bislang nur TWZ und Toggenburger gezüchtet, weil ich es unterstützenswert finde, diese alten heimischen Rassen zu erhalten. Frustrierend war jedoch für mich, dass ich nur selten eine Ziege lebend verkaufen konnte und somit der Sinn der Zucht aussterbender Rassen etwas fragwürdig wurde.
Daher beschloss ich auf die Rasse der Anglo-Nubier umzusteigen.

Je mehr ich mich im Vorfeld jedoch mit dieser Rasse beschäftigte, umso mehr kamen mir Zweifel. Erfahrene Züchter erzählten mir, dass diese Rasse nicht sehr robust und wetterfest ist, oft Erkältungen haben. Die Ramsnase ist bei manchen Ziegen so stark ausgebildet, dass es zu Atembeschwerden kommt.
Dies hat mich dazu bewogen, die Zucht auf meinen bisherigen Ziegen aufzubauen. Robustheit ist für mich ein höheres Ziel als 100%ige Reinrassigkeit. Der Bock wird jeweils reinrassig sein, bei den Mädels wird sich der Rasseanteil langsam erhöhen.

Ich werde an dieser Stelle über den Fortgang dieser Versuchszucht berichten. Farblich haben es mir besonders die Mondschecken angetan, sodass ich bevorzugt mit dieser Farbe züchten möchte.

Mondschecke


2013, 1. Nubiergeneration

Die ersten Lämmer sind da und sehen sehr vielversprechend aus. Da ich noch 2 Nubiermischlingsdamen zukaufen konnte, sehen insbesondere diese Lämmer schon sehr typvoll aus und haben tolle lange Schlappohren. Bei den 50/50-Lämmern sind die Ohren schon recht lang, können sich aber oft nicht entscheiden, ob sie lieber stehen oder fallen wollen.

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Hier ein Beispiel eines weiblichen neugeborenen Lamms mit 68,5% Nubieranteil

Die Lämmer kamen bei scheußlich kaltem Wetter zur Welt und der untypische Ostwind pfiff nur so in den Offenstall. Alle Lämmer blieben warm und gesund. Wärmelampen gibt es bei mir mangels Stromanschluss keine. Reinrassige Nubierlämmer dagegen können oft in der Zeit bis zu Frühlingstemperaturen den Stall nicht verlassen, da sie sehr anfällig für Erkältungskrankheiten sind.


2014, 2. Nubiergeneration

Ich bin überrascht, dass die Lämmer mit 68% Nubieranteil in diesem Jahr eine korrektere Ohrstellung haben, als die Lämmer mit 75%.
Hier 2 Beispiele:
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Lamm mit 68,5% mit langen, nach vorne gerichteten Schlappohren

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Lamm mit 75% mit zwar langen, aber waagerecht gestellten Segelohren. Die Ramsnase ist aber schon gut ausgeprägt.

Zufrieden bin ich weiterhin mit der Robustheit. Der Winter war allerdings mild und die Lämmer kamen später als im vergangenen Jahr.

2016

Das Projekt Nubier lege ich erst mal auf Eis. Die Tiere haben immer öfter Klauenprobleme, zudem lässt die Fruchtbarkeit sehr zu wünschen übrig, was auch daran liegen könnte, dass die Mädels von einem Bock ohne Parfum nicht wirklich in Stimmung kommen.
Ganz abgehakt habe ich das Thema noch nicht, aber ich werde nun erst mal weiter mit TWZ machen.



© 2009-2010 Birgit Lumma Letzte Änderung: Tomatenlust 19.11.2017
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